Für uns als aktive Mitglieder der Neuapostolischen
Kirche ist der Besuch einer Gemeinde im Urlaubsland immer eine Bereicherung.
Deshalb hat Bernd unsere Route extra so geplant, dass wir am dritten Sonntagmorgen unserer
Rundreise in Kasane zum Gottesdienst sein konnten. Ohne Frühstück sind wir in Ihaha
aufgebrochen, um pünktlich um 9 Uhr da zu sein. Die Fahrt verlief planmäßig, so
dass wir uns vor dem Gottesdienst im benachbarten Supermarkt noch stärken
konnten. Am Kircheneingang wurden wir von den Priestern freundlich und
interessiert begrüßt.
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| Unser Parkplatz auf dem Kirchengelände der Gemeinde in Kasane. |
Wir durften uns in den Mittelblock
setzen. Anette und Bernd hatten sich aus meiner Sicht eine altersschwache Bank
ausgesucht, da der Mittelfuß nur noch am seidenen Faden hing. Ich hielt es für
besser, die Bank nicht noch zusätzlich zu belasten und nahm mit Renate zwei Reihen weiter hinten Platz. Während sich die Kirche
füllte, schweiften meine Blicke umher. Auf den Bänken entdeckte ich weiße
Farbspritzer vom letzten Anstrich und ich wusste nicht, ob ich mich über die
Konstruktion des Dachgebälkes wundern oder sorgen sollte. Man scheint
hier manches gelassener zu sehen und mit Sicherheit fehlen auch die nötigen Mittel
für europäische Standards. Viele Geschwister hatten kein Gesangbuch oder nur ein
sehr zerfleddertes Exemplar. Die Orgel neben dem Alter schien defekt zu sein. Wir
beschlossen, unser gesamtes Bargeld in Pula in den Opferkasten zu legen. Eine
kleine Geldspende kann die Gemeinde bestimmt gut gebrauchen.
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| Blick von unserem Sitzplatz im Mittelblock auf den Altar. |
Da die Gemeinde offenbar keine Gesangbücher
für Gäste hatte, bot eine Chorsängerin Anette und Bernd ihr eigenes Gesangbuch an. Mit
einem stimmgewaltigen Eingangslied begann der Gottesdienst. Vier Priester
positionierten sich um den Altar. Wie wir feststellen konnten, wurde der
Gottesdienst in den beiden Amtssprachen Englisch und Setswana gefeiert. Zweisprachig
war auch der Gemeindegesang. Da fiel es nicht auf, wenn man die bekannten
Melodien einfach auf Deutsch mitsang. Obwohl wir wenig verstanden, einmal der
Sprache geschuldet, aber auch der Lautstärke mangels Mikrofon, haben wir die
Kernbotschaft verstanden: Es ging um irdischen und geistlichen Reichtum. Geistlicher
Segen ist wertvoller!
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| Um den Chor ist die Gemeinde zu beneiden. Die Schwester mit Hochsteckfrisur lieh uns ihr Gesangbuch. |
Der mitreißende Chorvortrag
erreichte unsere Herzen auch ohne Worte. Wir wurden sofort an die unvergesslichen
Vorträge unserer schwarzen Brüder beim Internationalen Kirchentag in München
erinnert. Einige Frauen trugen Röcke mit IKT-Logo, wie wir sie 2014 in München gesehen
hatten. Ob sie wohl dort waren?
Aus meiner Sicht viel zu früh
verließ der Dirigent sein Podest wieder. Gern hätte ich noch länger zugehört.
Der Gottesdienst ging weiter. Mit einem Mal war ich abgelenkt. Da draußen hatte
sich etwas bewegt. Durch die offene Seitentür konnte ich eine Familie
Warzenschweine bei der sonntäglichen Futtersuche beobachten. Ach, wie
wunderbar, Warzenschweine mitten in der Stadt!
Nach dem Schlusssegen fragte uns der
Gemeindevorsteher, wie wir heißen, woher wir kommen und was uns hierher geführt
hat. Als dann bei den Bekanntgaben der Internationale Jugendtag in
Düsseldorf erwähnt wurde und der Hirte mit der Aussprache Probleme hatte, half Bernd weiter.
Nach dem Schlusslied konnten wir Vier
nicht anders als für die musikalischen Darbietungen des Chores und der Kinderflötengruppe
kräftig zu applaudieren. Im Kirchgarten standen wir noch kurz mit den
Geschwistern zusammen. Renate fragte die Schwestern im IKT-Rock, ob sie denn etwa
in München waren? Ja, sie seien alle in München gewesen! Für die Geschwister
gab es noch eine weitere Zusammenkunft in der Kirche, wir setzten unsere Fahrt
fort.
So ein Gottesdienst in fremden
Ländern ist jedem, der eine Reise macht, wärmstens zu empfehlen.



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