Sonntag, 26. Mai 2019

Kirchgang in Kasane


Für uns als aktive Mitglieder der Neuapostolischen Kirche ist der Besuch einer Gemeinde im Urlaubsland immer eine Bereicherung. Deshalb hat Bernd unsere Route extra so geplant, dass wir am dritten Sonntagmorgen unserer Rundreise in Kasane zum Gottesdienst sein konnten. Ohne Frühstück sind wir in Ihaha aufgebrochen, um pünktlich um 9 Uhr da zu sein. Die Fahrt verlief planmäßig, so dass wir uns vor dem Gottesdienst im benachbarten Supermarkt noch stärken konnten. Am Kircheneingang wurden wir von den Priestern freundlich und interessiert begrüßt.


Unser Parkplatz auf dem Kirchengelände der Gemeinde in Kasane. 




Wir durften uns in den Mittelblock setzen. Anette und Bernd hatten sich aus meiner Sicht eine altersschwache Bank ausgesucht, da der Mittelfuß nur noch am seidenen Faden hing. Ich hielt es für besser, die Bank nicht noch zusätzlich zu belasten und nahm mit Renate zwei Reihen weiter hinten Platz. Während sich die Kirche füllte, schweiften meine Blicke umher. Auf den Bänken entdeckte ich weiße Farbspritzer vom letzten Anstrich und ich wusste nicht, ob ich mich über die Konstruktion des Dachgebälkes wundern oder sorgen sollte. Man scheint hier manches gelassener zu sehen und mit Sicherheit fehlen auch die nötigen Mittel für europäische Standards. Viele Geschwister hatten kein Gesangbuch oder nur ein sehr zerfleddertes Exemplar. Die Orgel neben dem Alter schien defekt zu sein. Wir beschlossen, unser gesamtes Bargeld in Pula in den Opferkasten zu legen. Eine kleine Geldspende kann die Gemeinde bestimmt gut gebrauchen.



Blick von unserem Sitzplatz im Mittelblock auf den Altar. 




Da die Gemeinde offenbar keine Gesangbücher für Gäste hatte, bot eine Chorsängerin Anette und Bernd ihr eigenes Gesangbuch an. Mit einem stimmgewaltigen Eingangslied begann der Gottesdienst. Vier Priester positionierten sich um den Altar. Wie wir feststellen konnten, wurde der Gottesdienst in den beiden Amtssprachen Englisch und Setswana gefeiert. Zweisprachig war auch der Gemeindegesang. Da fiel es nicht auf, wenn man die bekannten Melodien einfach auf Deutsch mitsang. Obwohl wir wenig verstanden, einmal der Sprache geschuldet, aber auch der Lautstärke mangels Mikrofon, haben wir die Kernbotschaft verstanden: Es ging um irdischen und geistlichen Reichtum. Geistlicher Segen ist wertvoller!



Um den Chor ist die Gemeinde zu beneiden. Die Schwester mit Hochsteckfrisur lieh uns ihr Gesangbuch. 


Der mitreißende Chorvortrag erreichte unsere Herzen auch ohne Worte. Wir wurden sofort an die unvergesslichen Vorträge unserer schwarzen Brüder beim Internationalen Kirchentag in München erinnert. Einige Frauen trugen Röcke mit IKT-Logo, wie wir sie 2014 in München gesehen hatten. Ob sie wohl dort waren?



Aus meiner Sicht viel zu früh verließ der Dirigent sein Podest wieder. Gern hätte ich noch länger zugehört. Der Gottesdienst ging weiter. Mit einem Mal war ich abgelenkt. Da draußen hatte sich etwas bewegt. Durch die offene Seitentür konnte ich eine Familie Warzenschweine bei der sonntäglichen Futtersuche beobachten. Ach, wie wunderbar, Warzenschweine mitten in der Stadt!


Nach dem Schlusssegen fragte uns der Gemeindevorsteher, wie wir heißen, woher wir kommen und was uns hierher geführt hat. Als dann bei den Bekanntgaben der Internationale Jugendtag in Düsseldorf erwähnt wurde und der Hirte mit der Aussprache Probleme hatte, half Bernd weiter.

Nach dem Schlusslied konnten wir Vier nicht anders als für die musikalischen Darbietungen des Chores und der Kinderflötengruppe kräftig zu applaudieren. Im Kirchgarten standen wir noch kurz mit den Geschwistern zusammen. Renate fragte die Schwestern im IKT-Rock, ob sie denn etwa in München waren? Ja, sie seien alle in München gewesen! Für die Geschwister gab es noch eine weitere Zusammenkunft in der Kirche, wir setzten unsere Fahrt fort.

So ein Gottesdienst in fremden Ländern ist jedem, der eine Reise macht, wärmstens zu empfehlen.



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